Der Bunker

Die Wahrheit über den Bunker in der Lohmener Herrenleite.

 

Viele Gerüchte kursieren über das UTA – Komplexlager 32. Was wird nicht alles erzählt über den Bunker in Lohmen, Wehrmachtsanlage, geheimnisvolles Experimentierlabor oder Waffenlager der Nationalen Volksarmee. Alles Quatsch!

In einer Steilwand des Steinbruchrestloches befand sich die Anlage DACHS VII, die auf das III. Reich zurückgeht. Ältere Anwohner sprechen davon, dass damals angeblich hier eine V2 – Produktion geplant war. Im näheren Umfeld lagen noch vier Kleindestillationsanlagen (OFEN 19 bis 22). Diese Schmierölfabrik wurde durch die Deutsche Gasoline Berlin AG für Kriegszwecke 1944 errichtet. Die Anlage sei aber nur zu 20 Prozent fertiggestellt worden. Das Mineralöllager der Luftwaffe war durch Tarnnetze, die über die Schlucht gespannt wurden, versteckt. Nach Kriegsende ging die Produktion im Benzinwerk Mockethal, dem späteren VEB Mineralölwerk Herrenleite weiter, bis es 1964 stillgelegt wurde.

Im Oktober 1964 übernahm die NVA – Nationale Volksarmee das Gelände und nutzte es hauptsächlich als Treibstoff- und Öllager. Im Laufe der Zeit wurde es jedoch wichtiger, Tanktechnik der Luftstreitkräfte bzw. -verteidigung instand zu setzen. Viele Treibstoffbehälter wurden ab Mitte der 1970er Jahre dadurch verschrottet. Kurz darauf kamen Arbeiter und untersuchten das alte Steinbruchgelände. Auf der Suche nach einem Schatz? Gerüchte um das seit 1945 verschollene Bernsteinzimmer machten damals die Runde.

Nach Kriegsende wurden im Zugangsstollen von DACHS VII, nach einer Inspektion der UTA, mehrere mit Sprengmitteln beladene Eisenbahnwagons zu Detonation gebracht. Infolge dessen stürzten sehr große Teile der Steilwand des Steinbruches ein und verschlossen das Stollenportal unter großen Massen von Blockwerk. Dieser ist allerdings nicht zu verwechseln mit dem Gangsystem, welches später zum Komplexlager 32 wurde.

Zu DDR – Zeiten interessierte sich die NVA – Nationale Volksarmee für diese Anlage. Es wurden mehrere Suchstollen nacheinander aufgefahren, bis man endlich das Kammersystem von DACHS VII wieder angeschlossen hatte. Die alte UTA war aber nach gründlicher Untersuchung für eine erneute militärische Verwendung unbrauchbar, da das ohnehin schon poröse Gebirge (Sandstein) aufgrund der schweren russischen Sperrsprengung extrem zerrüttet war.

Laut dem Zeitzeugen Dr. Klaus Rogoll, Leiter der Dienststelle Komplexlager32 und nach der Wende Kommandant des zum Gerätedepot Lohmen umbenannten Bundeswehrstützpunktes, wurde auf Grund der nicht gegebenen Bergsicherheit zwischen 1983 und 1986 durch den VEB Schachtbau Nordhausen eine neue Anlage ca. 200 Meter südlich von DACHS VII in einer anderen Steilwand dieser vielen Steinbruchrestlöcher getrieben. Etliche Anwohner aus den umliegenden Ortschaften waren damals beim Ausbau der neuen Anlage und der Installation der Bewetterungstechnik und Elektroeinbauten über ihre Betriebe eingebunden. Sie wurden damals zur absoluten Schweigepflicht vergattert. Das KL-32 nahm im September 1986 seinen Dienst auf.

Die Anlage ist mit Lkw in einem Rundkurs befahrbar. Zwei Hauptstollen führen in das Innere des Berges. Die Verbindung stellen vier Querstollen her. Außerdem zweigen vom linken Hauptstollen nur zwei Kammern ab, vom rechten dagegen neun. Von dort ist auch der „Personalbunker“ mit Mannschaftquartieren und Sanitärräumen erreichbar. Die eingebauten Klimaanlagen garantierten eine konstante Luftfeuchte von 55 bis 60 Prozent und eine Raumtemperatur von bis zu zwölf Grad Celsius.

Die NVA nutzte diese UTA dann als Depot für militärische Ausrüstung. Hauptsächlich wurden Versorgungsgüter wie Munition verschiedener Kaliber, Feldküchen, Fernmelde- und Pioniergeräte,  Sanitätsartikel, Ersatzteile etc. eingelagert. Aktiv war das Depot bis zur Auflösung der NVA – Kaserne im Jahre 1990. Nach der politischen Wende in der DDR betrieb die Bundeswehr bis zum Jahr 1999 die Anlage als Depot weiter. Bis zur Abwicklung 1999 lagerten noch Feldküchen, Werkzeugsätze und Zelte im Bunker. Bis 1992 wurde explosives Material vernichtet, ob hier wirklich nukleare Sprengköpfe gelagert wurden, lässt sich allerdings nicht eindeutig belegen. Als kein Nachnutzer gefunden werden konnte, wurde die Anlage mit Betonplomben verschlossen.

2007 fand sich wieder ein Nutzer. Wir, der Lohmener Biker e.V. haben den Bunker gekauft und halten diesen Zeitzeugen bis heute in Stand.

 

Wer das Komplexlager32 mal live erleben möchte, ab 2019 bieten wir wieder Führungen für Gruppen ab 15 Personen an. Anfragen dazu bitte über unser Kontaktformular.

Die Kaserne

TO 014 Untertageanlage

Der Lagerbereich

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Der Personalbereich

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Der Technikbereich

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Die Wetterstrecke

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