Die Herrenleite

In der Herrenleite wird schon seit der Mitte des 19. Jahrhunderts Sandstein abgebaut, der sich durch besondere Festigkeit und Wetterbeständigkeit auszeichnet. Im Januar 1900 richteten die Anliegergemeinden eine Petition an den sächsischen Landtag, um eine Industriebahn von Copitz ausgehend durch die Herrenleite nach Dorf Wehlen zu bauen. Da die vorgesehene Strecke ein rentables Verkehrsaufkommen versprach, wurde die Strecke schließlich vom sächsischen Landtag als normalspurige Industriebahn bewilligt.

Am 2. Januar 1906 begannen die Bauarbeiten, die nach einem Jahr abgeschlossen waren. Außer der Verlegung des Baches im Talgrund waren keine größeren Erdarbeiten und auch keine Kunstbauten nötig. Am 20. März 1907 wurde die neue Strecke in Betrieb genommen. Öffentlicher Ladeverkehr fand allerdings nur bis zur Ladestelle Mockethal statt.

Ab August 1944 wurden in der Herrenleite unter dem Decknamen „Carnallit“ Anlagen zur Benzin-Destillation aufgebaut. Das dafür nötige Erdöl wurde während des Zweiten Weltkrieges aus Zistersdorf in Österreich mit Kesselwagen angeliefert. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Anlagen als VEB Mineralölwerk Herrenleite noch in Betrieb.

Ab 1964 übernahm die Nationale Volksarmee das Gelände und nutzte es hauptsächlich als Treibstoff- und Öllager. Im Laufe der Zeit wurde es jedoch wichtiger, Tanktechnik der Luftstreitkräfte bzw. -verteidigung instand zu setzen, und die NVA nutzte es für die Herstellung von Frostschutzmitteln weiter. Für die Abfuhr von Sandsteinen besaß die Strecke in der Folge keine Bedeutung mehr, zumal die meisten Steinbrüche mittlerweile stillgelegt waren.

Auch nach der politischen Wende im Osten Deutschlands 1989 blieb die Strecke als Anschlussbahn zum nunmehrigen Depot der Bundeswehr in Betrieb.

Am 9. September 1996 erhielt die Strecke den Status eines Nebengleises des Bahnhof Pirna. Reguläre Zugfahrten fanden zu diesem Zeitpunkt nicht mehr statt. 1998 wurde die Abzweigweiche aus der Strecke Kamenz–Pirna ausgebaut. Eine letzte außergewöhnliche Zugfahrt erlebte die Strecke zwei Jahre zuvor, als ein Schienenbus die damals noch nicht zugewachsenen Gleise befuhr. Im Jahr 2005 wurden die Gleisanlagen zwischen Kilometer 0,15 und 1,58 abgebaut.

Der Verein Historische Feldbahn Dresden hat das noch vorhandene Gleis samt Gelände zwischen Kilometer 2,1 und dem Streckenende in der Herrenleite übernommen und will es als Zubringer zum neu entstandenen Feldbahnmuseum nutzen. Zur Zeit finden anlässlich größerer Veranstaltungen darauf Draisinenfahrten mit Gastfahrzeugen statt. Perspektivisch ist die Umspurung auf 600 mm vorgesehen. Zu sehen gibt es dort Lokomotiven und Wagen in unterschiedlichen Spurweiten die in der Hauptsache zum Transport von Baustoffen wie Ton, Kies, Ziegel genutzt wurden.

 

Wer mehr über die Herrenleite und das Feldbahnmuseum erfahren möchte, hier seit ihr richtig http://www.feldbahnmuseum-herrenleite.de/.

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